Der Wespenbussard

Der Wespenbussard ist ein wenig bekannter Greifvogel, der auch bei uns in Mönchengladbach und Umgebung gelegentlich zu beobachten ist und sogar hin und wieder in unseren Wäldern brütet. Er ähnelt dem bekannteren Mäusebussard von seiner Größe und dem Gefieder sehr, hat aber ansonsten nicht viel Gemeinsamkeiten mit ihm.  


Wie schon der Name zeigt, ist er ein Insektenjäger, der es vor allem auf Wespen, Hummeln, Bienen, und Hornissen abgesehen hat. Er sucht seine Beute nicht aus der Luft, sondern spaziert beinahe wie ein Huhn auf der Erde herum, scharrt mit seinen Greifvogelfängen den Boden auf, um z.B. Erdbienen- und Wespennester, aber auch Regenwürmer, Frösche und Eidechsen ausfindig zu machen. Selbst süße Beeren und Obst verschmäht der eigenwillige Greifvogel nicht. Im Hochsommer ernährt der hochspezialisierte Insektenfresser sich hauptsächlich von Wespenbrut. Von einer niedrigen Warte aus entdeckt er die Eingänge zu den unterirdischen Wespennestern und gräbt sie dann aus. Manchmal verschwindet er fast ganz unter der Erde, was ihm gelegentlich durch anschleichende Feinde selber zum Verhängnis wird. Hornissen und Wespen können ihm nur wenig anhaben, da seine Gesichtspartien mit eigenartig harten Federchen und seine Füße mit harten Fußschildern geschützt sind. Die Insekten frisst er meistens samt Stachel.


Der Wespenbussard ist bei uns ein Sommervogel, der in der kälteren Jahreszeit im afrikanischen Regenwald und in Baumsavannen Zentralafrikas überwintert.


Wespenbussarde waren nicht nur wegen ihrer Seltenheit früher eine besonders begehrte Trophäe. So schreibt unser früherer Mönchengladbacher Ornithologe Clemens Maas vor knapp einhundert Jahren u.a. folgendes: Herr Präparator Stumpen überraschte vor mehreren Jahren in der Nähe des Neersener Bahnhofes während der Heuernte einen Wespenbussard. Der Vogel hatte sich mit Füssen und Schnabel so tief eingegraben, um an Erdwespen zu gelangen, dass er das Heranschleichen des Herrn Stumpen nicht bemerkt hatte. Herr Stumpen konnte den nichtsahnenden Raubvogel ergreifen und später präparieren.  Weiter schreibt Maas: Ein von Herrn Brauereibesitzer Bolten im Niersbruch erlegtes Exemplar befindet sich zur Ansicht präpariert in der Sammlung der Städtischen Knabenmittelschule.


Das Jagen und Abschießen von Greifvögeln (früher Raubvögel genannt) wurde damals in der Öffentlichkeit keineswegs als anrüchig oder frevelhaft betrachtet, ganz im Gegenteil.

 

Text: Ludwig Winkens 07/23
Fotos: Willi Eckers

Steckbrief

Größe Körperlänge ca. 51 – 58 cm; Gewicht um die 900 g; Spannweite ca. 130 cm
Brut 2 oder 3 Eier; benutzt gerne verlassene Krähennester.
Vorkommen geschützte, einsame Waldgebiete mit sonnigen Lichtungen
Sonstiges Langstreckenzugvogel, der sich in Zentralafrika gerne dort niederlässt, wo es viele Heuschreckenschwärme gibt.